Always Asked Question: Versandkosten

Neben den FAQ (frequently asked questions) kennt jeder, der im Onlinehandel tätig ist, die AAQ (always asked question) seiner Kunden: "Warum sind die Versandkosten so hoch?"

Hier unsere Antwort: Die sind nicht hoch.

Nur weil Versandriesen wie Amazon oder Zalando Spezialverträge mit den beauftragten Versanddienstleister haben und entweder gar keine oder ab einem bestimmten Einkaufswert gar keine Versandkosten mehr berechnen, heißt es nicht, dass Versandkosten günstig zu kalkulieren sind. Oder so: Wer glaubt, Versandriesen hätten die Materialkosten der Umverpackung oder die eigentlichen Versandkosten zu verschenken, der irrt. Diese Kosten sind im Verkaufspreis der Artikel bereits enthalten. Nur weil es von den Großen dikitiert wird, der Versand sei umsonst zu haben, ist dem nicht so.

In den Versandkosten stecken jede Menge Kosten für den Onlinehändler – da ist die Verpackung an sich, die pro Stück kostet und wer nicht palettenweise Kartons ab Werk abnehmen kann und möchte, der weiß, was beispielsweise ein Standardpäckchen alleine als Faltware pro Stück ohne MwSt. kostet.

Als größter Posten stecken natürlich die reinen Portokosten in den Versandkosten drin, doch was für den Kunden ganz normal erscheint, wird für den Versandhändler noch teurer. Denn stellt der Händler eine ordnungsgemäße Rechnung und ist nicht Kleingewerbetreibender nach §19 UStG, also verpflichtet zur Erhebung und Abführung von Mehrwertsteuer (bzw. Umsatzsteuer), muss er zu dem Posten Versandkosten zusätzlich noch die 7% bzw. 19% Mehrwertsteuer an die Steuer abführen – weil die Deutsche Post bei bestimmten Versandwertzeichen mehrwertsteuerbefreit ist, kann der Händler diese Steuer aber auch nicht einfach wieder absetzen. Er bleibt auf der abgeführten Steuer, die er berechnen muss, sitzen. Die Annahme, wenn nur die reinen Versandkosten berechnet würden, müsse keine Steuer abgeführt werden, ist landläufige Meinung, aber steuerrechtlicher Bullshit. Also wieder eine Ausgabe mehr, die dazugerechnet werden muss. Denn wenn ich EUR 3,90 für ein Päckchen in Rechnung stelle, muss ich bereits EUR 0,62 an die Steuer abführen. Also bleibe ich, wenn ich nicht die 19% MwSt vorher aufrechne, auf 62 Cent der Versandkosten sitzen – pro Päckchen. Peanuts für einen Händler? Nicht auf die Masse.

Und das ist noch nicht alles: Wer als Gewerbetreibender gerne und viel verschickt, wird sich, so hofft man, auch mal mit dem Thema "Verpackungsverordnung" auseinandergesetzt haben. Denn wer Briefumschläge, Umverpackungen oder Päckchen packt und verschickt, ist gemäß VerpackungsV Erstinverkehrbringer von, ja, "Müll". Und wer Müll in Umlauf bringt, muss durch das duale Müllsytstem (besser bekannt als der "Grüne Punkt") Pauschalen an einen Müllentsorger zahlen, der den Müll im Umlageverfahren quasi durch Dritte entsorgen lässt. Und wer glaubt, dass sei doch für einen kleinen Versandhandel sicherlich erschwinglich, der irrt. Die Anfangspauschale liegt im Bereich von bis zu 120 Euro pro 2 Jahre, egal welcher Anbieter dort ausgewählt wird.

Wenn Ihr also demnächst jemanden seht, der die reinen Versandkosten für den Versand berechnet, denkt einfach mal darüber nach, welche Gebühren der Händler nicht abführt oder denkt wenigstens darüber nach, ob die Versandkosten nicht vielleicht versteckt in den Waren sind.

Versand ist einfach nicht für lau zu haben.

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2 Gedanken zu “Always Asked Question: Versandkosten

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